


Eva Iden, unsere ehemalige Vereinsvorsitzende, startete beim RACE ACROSS AUSTRIA und berichtet:
Es gibt bei diesem Rennen unterschiedliche Distanzen, Road und Gravel, Solo und Duo, alles unsupported.
Ich startete Solo am Dienstag um 9h die 1.000km mit ca 15.000 Höhenmetern, Road, in Linz. Zuerst gings zum nördlichsten Punkt Österreichs, dann zum südlichsten und wieder zurück nach Linz.
Nach knapp 70 Stunden kam ich am Freitagmorgen als 3. Frau im Ziel an. Glücklich, Stolz und völlig ko.
Eva, herzlichen Glückwunsch zu dieser Wahnsinnsleistung! Platz 3 bei den Frauen in einer Zeit von 69 Stunden und 50 Minuten. Wie fühlt man sich nach so einem extremen Abenteuer?
Eva: Vielen Dank! Ich bin einfach nur stolz, glücklich und im ersten Moment natürlich auch völlig k.o. Hinter mir liegen 1.085 Kilometer und rund 15.000 Höhenmeter – alles „unsupported“, also komplett auf mich allein gestellt. Das muss der Kopf und der Körper erst einmal verarbeiten.
Du bist am Dienstag um 9:00 Uhr als allererste Starterin von der Rampe gerollt. Wie sah die Strecke aus und wie lief der Start?
Eva: Die Route war im Vorfeld fix vorgegeben, sodass wir uns gut vorbereiten konnten. Es ging von Linz aus erst einmal nach Norden. Die Strecke führte über wunderschöne Nebenstraßen, hatte es aber von Beginn an in sich: Nach nur 65 Kilometern hatte ich schon über 1.800 Höhenmeter in den Beinen! Am nördlichsten Punkt, der Europaeiche an der Grenze zu Tschechien, ging es über den ersten Checkpoint in Litschau wieder zurück Richtung Linz.
Das klingt nach einem harten Auftakt. Wie sah deine erste Nacht aus?
Eva: Nach 310 Kilometern und 4.700 Höhenmetern habe ich kurz nach Mitternacht mein vorgebuchtes Hotel in Mauthausen erreicht. Dort habe ich mir 3,5 Stunden Schlaf gegönnt. Im Morgengrauen ging es dann weiter über den zweiten Checkpoint in Linz direkt nach Süden – dorthin, wo die „richtigen“ Berge warten.
Die Berge im Süden sind bekanntlich gnadenlos. Wie hast du diesen Teil der Strecke erlebt?
Eva: Es waren lange Anstiege und tolle Abfahrten. Kurz vor Mitternacht erreichte ich nach weiteren 340 Kilometern und nochmals knapp 4.700 Höhenmetern den Checkpoint 3 in Bad Eisenkappel. Das Problem an diesen Checkpoints ist: Es herrscht ein reges Kommen und Gehen. An Schlaf auf der Luftmatratze war einfach nicht zu denken. Nach 1,5 Stunden habe ich aufgegeben und mich um 4:00 Uhr früh wieder aufs Rad gesetzt.
Das klingt nach einer mentalen Zerreißprobe. Gab es in diesem Moment auch Belohnungen?
Eva: Absolut! Der Start in den Tag war perfekt: 12 Kilometer und 600 Höhenmeter rauf zum Seebergsattel, dem südlichsten Punkt Österreichs an der Grenze zu Slowenien. Oben hat mich die aufgehende Sonne belohnt und ich konnte die Abfahrt bei Tageslicht genießen. Aber danach wurde es richtig heftig.
Was kam danach?
Eva: Die noch längeren und höheren Anstiege, inklusive dem Sölkpass auf 1.790 Metern als höchstem Punkt. Die Abschnitte waren teilweise extrem lang und steil. Dazu rollte eine Hitzewelle über uns hinweg, die die Tage zuvor noch gar nicht da war. Ich hatte diesen Tag ehrlich gesagt deutlich unterschätzt und kam erst gegen 19:30 Uhr völlig erschöpft am letzten Checkpoint in Irdning an.
Wie hast du dich für das Finale motiviert? 190 Kilometer Reststrecke klingen nach der Vorgeschichte fast unmachbar.
Eva: Unter der Dusche in Irdning habe ich Jasmin getroffen, die spätere Zweitplatzierte. Nach einem kurzen Powernap von nur 30 Minuten waren meine Lebensgeister wieder da. Ich dachte mir: Noch 190 Kilometer. Wenn man überlegt, was schon hinter mir lag, relativiert sich das. Ein Katzensprung! Um 21:00 Uhr bin ich in die letzte Nacht gestartet.
Wie liefen die letzten Kilometer zurück nach Linz?
Eva: Die Nacht war klar, kühl und die sonst so belebten Straßen rund um den Hallstätter See und Gmunden waren komplett leergefegt. Mein Kopf war ab da nur noch mit Rechnen beschäftigt. Erst dachte ich an eine Zielzeit unter 72 Stunden. Als ich ab 4:00 Uhr morgens einen traumhaften Sonnenaufgang erlebte und merkte, dass ich keine Powernaps mehr brauche, dachte ich mir: Unter 70 Stunden klingt noch viel besser! Auf den flachen Kilometern an der Donau entlang habe ich dann noch einmal alles aus meinen Beinen herausgeholt.
Von 11 gestarteten Frauen haben es am Ende nur fünf ins Ziel geschafft. Was bedeutet dir dieser 3. Platz?
Eva: Es bedeutet mir unglaublich viel. Gewonnen hat Anna Siebenbrunner vor Jasmin Spiegelberg. Dass so viele Fahrerinnen das Ziel leider nicht erreicht haben, zeigt einfach, wie extrem hart dieses Rennen war. Umso glücklicher bin ich, dass mein Plan aufgegangen ist und ich die Ziellinie in Linz nach 69 Stunden und 50 Minuten überqueren durfte!

